Warum der neue Deutschrock unpolitisch ist

In den letzten Jahren konnte sich, vor allem unter dem Eindruck erfolgreicher Bands wie den Böhsen Onkelz, Goitzsche Front oder Frei.Wild eine relativ junge Musiksparte zu einem hochprofitablen und beliebten Medium entwickeln. Die Rede ist von Deutschrock.

Dabei gibt es deutsche Rockmusik schon lange. Krautrock wie Faust konnte schon in den 70er-Jahren dem damals üblichen Schlager Paroli bieten. Unterschiedlichste Formen des deutschen Rock entwickelten sich vor allem in den 80er-Jahren. Ein immer wiederkehrender Vorwurf ist, dass diese Musik rechtspolitischen Kreisen nahestünde.

Der Weg zum Hass

Das liegt vor allem an der Flut von deutschen Neonazibands, die unter dem Eindruck englischer Projekte wie Skrewdriver und No Remorse in den 80er-Jahren gegründet wurden. Kleine Bands wie Landser oder Stahlgewitter konnten über den deutschsprachigen Raum hinaus ihre Musik verbreiten. Teilweise rührte ihre Popularität von dem Reiz des Verbotenen: SS-Lieder wurden weniger von Veteranen und Altnazis, als vielmehr von vierzehnjährigen Schülern verbreitet. Zum anderen Teil schien diese Musik jungen Menschen eine Form der Rebellion, aber auch der Gemeinschaft zu bieten. Vor allem in Gebieten mit einem niedrigen Ausländeranteil wurde solche Musik gehört – man wollte nicht seine Mitbürger verschrecken, sondern den Regierenden, Eltern und Lehrern den musikalischen Mittelfinger entgegenstrecken.

Doch ist diese Flut von Rechtsrock mittlerweile längst vorbei. Nicht nur Verbote, sondern die allgemeine Einsicht, dass Hassparolen und Nazilieder nicht nur rebellisch, sondern auch gefährlich sind, haben die Szene ruhiger werden lassen. Viele ehemals rechte Bands wie die Böhsen Onkelz haben sich öffentlich geläutert und rufen in ihren Songs ihre Fans dazu auf, keinen Hass zu verbreiten.

Deutschrock heute

Vor allem auf Festivals hat sich eine schillernde Deutschrockkultur entwickelt. Von Ska- bis Punkrock und Heavy Metal werden alte Musikstile aus Übersee gemimt und gekonnt weitergeführt. Die Losung einer „Deutschrockallianz“ und einer „Familie“ sind nicht exklusiv – jeder kann mitmachen, der Spaß an der Subkultur hat.

Längst haben sich auch die modischen Gegebenheiten verändert. Springerstiefel, Lederjacken und Nietengürtel waren gestern, heute tritt man schick im Bandshirt auf, auch Jeans und neue adidas Schuhe gehören hier zum Sortiment.

Der Nazivorwurf

Gerade weil die Fans des neuen Deutschrock homogen und durchaus ruppig erscheinen, erhärtet sich von mancher Seite der Verdacht, dass es sich handele um Nazis würde, was schade ist. Denn die Bands sind über alle Maßen bemüht, sich gegen rechts abzugrenzen. So spielt fast jede Deutschrockband auf ihren Konzerten zumindest einen Song gegen Hetze und Ausgrenzung, Patriotismus ist ein Tabuthema und als einzige traditionelle Werte werden Zusammenhalt, Familie und Freundschaft gefeiert.

Man sollte auf den Deutschrock zugehen und ihn sich zu Gemüte führen. Immerhin gibt es auch ausgesprochen linke und rechte Festivals, wie zum Beispiel das Spirit- und das S&S-Festival. Hier arbeiten die Veranstalter durchgehend mit Feindbildern, was schade, bei Weitem aber nicht die Regel ist.

Ein tolles Beispiel für ein unpolitisches Deutschrockfestival ist das Spreewaldrock-Festival, das seit nunmehr 10 Jahren bei Drachhausen stattfindet. Ob bei Regen oder sengender Hitze finden hier alle zusammen – und bringen eine kleine Gemeinde mit ihrer Feierstimmung wieder richtig auf Trab! Das ist der neue Deutschrock, der Politik schon deshalb nicht braucht, weil er als reine Erfahrung viele Menschen glücklich zu machen weiß.

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